Das Problem mit DerDieDas begleitet erwachsene Deutschlerner eine lange Zeit. Zwölf Tricks helfen mir, wie ich DerDieDas automatisch korrekt sprechen kann:

Trick 1: Ich achte auf AKK.

Beispiel: “Der Mann sucht einen Schlüssel, eine Jacke und ein Handy.”

Die Endungen in AKK sind unterschiedlich lang.

Lange Endung “en”= maskulin,

kurze Endung “e”= feminin,

keine Endung ” “= neutrum. Size matters.

Dieser Trick funktioniert gut, weil es so viele Verben mit AKK-Objekt gibt. 

Trick 2: Ich achte auf feminin.

Beispiel: “Eine Frau hält mit einer Hand eine Puppe ihrer Tochter.”

Die Endungen bei feminin sind immer “e”

(bei NOM – eine Frau – und bei AKK – eine Puppe -)

oder “er”

(bei DAT – mit einer Hand – und bei GEN – ihrer Tochter-).

Dieser Trick funktioniert gut, weil die meisten Nomen, laut Duden 46%, feminin sind.

Trick 3: Ich warte zwei Sekunden.

Beispiel: “Da läuft ein Hase. Er rennt in den Wald.”

Bei dem NOM “ein Hase” weiß ich nicht, ob Hase maskulin oder neutrum ist. Beides ist möglich. Die Deutschen führen ein neues Objekt mit dem unbestimmten Artikel ein-eine-ein ein (erste Nennung). Dann sprechen sie mit dem bestimmten Artikel oder mit dem Personalpronomen weiter (zweite Nennung). Die zweite Nennung macht es klar. “Hase” = “er” ==> “der Hase”.

Die zwei Sekunden helfen mir auch bei DAT und GEN.

Beispiel: “In dem Blog finden Sie viele Lernhilfen. Es zeigt Lösungen, die wir im Unterricht entwickelt haben.”

Bei dem DAT “dem Blog” weiß ich nicht, ob Blog maskulin oder neutrum ist. Beides ist möglich. Die zweite Nennung macht es klar: “Blog” = “Es” ==> “das Blog”.

Dieser Trick funktioniert gut, weil die Deutschen fast immer zuerst ein neues Objekt einführen und es dann näher beschreiben.

Die Kinder in Deutschland benutzen diese drei Tricks beim Hören und Sprechen. Sie können damit innerhalb von ganz wenigen Wochen alle DerDieDas spontan automatisch korrekt sprechen.

Auf dieser kleinen Tabelle sehe ich die sechs verschiedenen Artikel im Deutschen: derdiedas, dendemdes. Mehr sind es nicht.

Ich lerne diese sechs Artikel:

derdiedas, dendemdes

derdiedas, dendemdes

Trick 4 ist für erwachsene Deutschlerner: ich nehme ein kleines Stück Papier und schreibe diese kleine Tabelle. Ich ergänze alle 16 Artikel, die es in Deutsch gibt. Dieses Stück Papier habe ich immer bei mir, z.B. stecke ich es in die Brusttasche oder ich klebe es auf die Rückseite von meinem Handy. Der Trick ist jetzt: immer, wenn ich beim Sprechen nicht sicher bin, halte ich mir das Papier vor Augen und spreche den Artikel korrekt. Das Sprechen mit diesem Papier dauert ungefähr sechs Wochen, danach kann ich die Artikel automatisch korrekt sprechen.

Trick 5: Ich frage einen Deutschen.

Beispiel: “Ich habe eine Oh Entschuldigung, sagt man der Tapir oder die Tapir?” “Der Tapir.” “Dankeschön. Ich habe einen Tapir gesehen.”

Der Trick funktioniert gut, weil es den Deutschen peinlich und unangenehm ist, wenn sie einen Fehler bei den Endungen hören. Sie machen viele Tricks, damit sie selbst diesen Fehler nicht begehen. Sie freuen sich, wenn ein Nicht-Deutscher diese Tricks anwendet. Die Deutschen denken dann:

Wow! Wie clever! Die fragende Person hat das derdiedas-Problem erkannt!

Ich bin nicht in die Falle gegangen! Ich löse das Problem, bevor es da ist! Ich spreche Deutsch ohne Fehler! Ich zeige den Deutschen, dass ich mich für ihre Sprache und ihre Kultur interessiere. Ich respektiere die Sprache der Deutschen, und sie respektieren mich.

Die Deutschen helfen cleveren Leuten gerne. Sie nennen den richtigen Artikel und führen die Kommunikation mit positiven Emotionen weiter. Ich habe mit diesem Trick gerade die Deutschen kooperativ gemacht. Ich habe den Deutschen das Vertrauen gegeben, dass der Kontakt mit mir sich lohnt.

Wenn ich diesen Trick zehnmal anwende, denken die Deutschen: Oh wow! Der Sprecher kennt die Tricks der Deutschen! Wenn ich den Trick hundertmal anwende, denken die Deutschen: Der Sprecher spricht perfekt Deutsch.

Aber es gibt auch Grenzen: Meinen Chef frage ich besser nicht fünfmal an einem Tag nach derdiedas.

Trick 6: Ich übe mit der derdiedas-App. Ich kann die Fahrten mit der S-Bahn oder die Wartezeiten beim Arzt nützen und ein paar Artikel lernen. Die Schüler sagen: dieser Trick ist der Beste. (Günther Baur sagt: Trick 5 ist besser als Trick 6.)

Trick 7: Ich höre jeden Tag zehn Minuten lang deutsche Nachrichten. Am Anfang verstehe ich nichts. Nach einigen Wochen verstehe ich (Teile von) ein paar Nachrichten. Die Verbindung von Aktuellem, korrekter Grammatik und Gesprächen mit Nachbarn, Kollegen und Freunden verbessert rasch das Hören und Sprechen von derdiedas.

Trick 8: Ich mache online-Übungen. Ich nutze die Wartezeiten im Bus oder beim Arzt. Eine Sammlung solcher Übungen finde ich, wenn ich auf das Bild klicke.

Trick 9: Ich suche in meinem Alltag eine sympathische Person. Diese Person bitte ich: Kannst du bitte mich korrigieren, wenn ich einen Fehler beim Sprechen mache?

Dieser Trick funktioniert gut, weil die harte Kritik mit der Sympathie weich gemacht und mit dem Erfolg schön gemacht wird. Ich kann ja mal meine Kontakte checken. Wen möchte ich für diese Aufgabe haben?

Trick 10: Ich arbeite (ehrenamtlich) mit kleinen Kindern oder mit Senioren. Sie sind die härtesten Grammatiklehrer. Sie bringen Null Toleranz mit, sie korrigieren sofort alles. Ein Kindergarten ist die Formel 1 in derdiedas. Senioren bringen zusätzlich ein Extratraining in Hören von Dialekt und genuschelten Wörtern. Wenn ich das verstehen und darauf antworten kann, kann ich in Deutsch alles. Ich kann auch mein Hobby ausbauen und in einem Verein mitarbeiten. Die Leute in einem Verein freuen sich über meine Mitarbeit und helfen mir in vielen anderen Fragen.

Wie funktioniert es? Ich klicke auf eines der Bilder. Sie führen mich zum Stuttgarter Kindertagesstättenführer, zu einer Suchmaske für Altenheime oder zu den Stuttgarter Vereinen. Ich suche mir die passende Adresse heraus. Ich besuche die Einrichtung und frage den Chef: “Ich habe aktuell einige Stunden pro Woche Zeit und möchte in Ihrer Einrichtung mitarbeiten. Welche Möglichkeiten sehen Sie?”

Trick 11: Ich lese Bücher auf Deutsch, die für mich interessant sind. Gute Bücher auf dem Level A2 finde ich in der Stadtbibliothek Stuttgart im zweiten Stock. Dort sind die Kinderbücher, die (fast) alle Themen abdecken und eine Mischung aus einfacher Grammatik (A2) und Fachbegriffen (B2-Wortschatz) bieten. Die passenden Endungen werden mir automatisch beim Lesen mitgeliefert.

Trick 12: Ich achte auf die Mimik der Deutschen. Manchmal wird das Gesicht von meinem deutschen Gesprächspartner emotionslos. Das ist ein Zeichen dafür, dass ich einen Fehler mit einer Endung gemacht habe und er die Kommunikation mit mir stoppen möchte. Dann reagiere ich schnell und frage:

“Oops, war eine Endung falsch?”

Die Deutschen werden dann lachen und die Kommunikation fortsetzen.

Das Stoppen der Kommunikation ist eine jahrhundertealte, tief im Unterbewusstsein verwurzelte Reaktion. Die Deutschen nutzen Fehler bei Endungen als ein Alarmsignal: der Sprecher ist nicht Deutscher. Das Alarmsignal löst Phantasien aus, z.B.: Der Sprecher bleibt nicht hier. Er reist nur durch Deutschland. Verliebe dich nicht in ihn und mach keine Geschäfte mit ihm, er wird dich enttäuschen. Die Phantasien steuern das Verhalten der Deutschen. Der Oops-Satz stoppt diese Reaktion und führt die Deutschen zurück in die Kommunikation. Der Oops-Satz wirkt wie ein Restart, nachdem der Computer abgestürzt ist, nur schneller.